24.2.2026Vernetzungstreffen­vorbereitungs Komitee

Abschlussbericht

Vernetzungstreffen Roter Sterne und linker Sportvereine 2025

10. - 12. Oktober 2025 in Köln

Nach den erfolgreichen Vernetzungstreffen der Roten Sterne 2020 in Berlin und 2024 in Ahrensburg hat der Sport- und Kulturverein Roter Stern Köln e.V. in diesem Jahr zum dritten Vernetzungstreffen eingeladen. Diesmal wurden explizit auch Vereine eingeladen, die keine Roten Sterne sind, da eine möglichst breite Vernetzung einen hohen Wert haben kann. Insgesamt sind fast 30 Personen aus 10 Vereinen der Einladung gefolgt, sodass wir an drei Tagen mit bis zu 50 Vereinsaktiven ins Gespräch gekommen sind, uns gegenseitig kennenlernen und voneinander lernen konnten. Es ist schön zu sehen und gibt Kraft, dass so viele Menschen eine überregionale Vernetzung für sinnvoll halten – egal, ob der Verein bereits seit über 25 Jahren existiert oder sich gerade gründet. Natürlich gibt es Unterschiede in den Städten, in denen wir leben und in den Vereinen, in denen wir uns organisieren. Es gibt aber auch viele Gemeinsamkeiten: Ängste und Herausforderungen, Erfolge und Wünsche. Wir alle nehmen wahr, dass das Leben teurer und das Zusammenleben unverbindlicher wird. Freiräume werden weniger, viele Menschen sind einsam und frustriert. Wir erleben eine Zunahme rechter Gewalt und Wahlerfolge rechter Parteien. Während die Militarisierung voranschreitet, schaffen rechte Organisierungen es, vor allem junge Menschen anzusprechen. In Anbetracht dieser Verhältnisse stellen sich viele Fragen. Es wird aber auch deutlich, dass es unsere Verantwortung ist, dem etwas entgegenzustellen:

Als Vereine prägen wir den Alltag vieler Menschen, schaffen durch unsere Angebote Orte der Gemeinschaft und der Solidarität. Wir unterstützen einander und mischen uns gesellschaftspolitisch ein.

Das Orga-Team aus Köln hat sich dazu entschieden, einen thematischen Schwerpunkt für das Vernetzungstreffen zu setzen: Kürzungspolitik und Rechtsruck. An dem Wochenende standen jedoch gar nicht so sehr die Fragen im Zentrum, was den Rechtsruck genau ausmacht oder wie sehr wir von Kürzungen betroffen sind. Vielmehr lag der Fokus auf uns als Vereinen, die sich in diesen Zeiten organisieren – auf unseren Erfahrungen und Visionen, unseren Herausforderungen und Strategien.

Um dem Ganzen einen Rahmen zu geben, diskutierten wir diese anhand dreier Themenstränge: Dachverband, Jugend und Wen organisieren wir (nicht)?.

F r e i t a g a b e n d

Nachdem am Freitagabend (fast) alle angereist waren, gab es erstmal ein leckeres gemeinsames Abendessen, bevor das Treffen eröffnet wurde. Als inhaltlicherEinstieg näherten wir uns bei einem Fishbowl-Podium den genannten Themensträngen an. Während alle Anwesenden die Möglichkeit hatten, mitzudiskutieren, wurde schnell klar, dass die aufkommenden Fragen nicht immer einfach und einheitlich zu beantworten sind. Besonders intensiv wurde beispielsweise diskutiert, ob wir als Vereine ein Schutzraum für Marginalisierte oder offen für alle sind. Wieso scheint das, manchmal ein Widerspruch zu sein? Auch wenn wir diese Frage nicht endgültig klären können, sind wir uns doch alle bewusst, wie wichtig es ist, dass unsere Vereine niedrigschwellige Angebote ohne Leistungsdruck auf die Beine stellen. Beim abendlichen Barausklang gab es dann die Möglichkeit, bei dem einen oder anderen Kaltgetränk weiter ins Gespräch zu kommen.

S a m s t a g m o r g e n

Beim gemeinsamen Frühstück am Samstag waren wir dann komplett – wie schön, dass mehrere Vereine über 500km Fahrt auf sich genommen haben. Der Vormittag wurde dazu genutzt, dass sich die verschiedenen Vereine nochmal detaillierter vorstellen konnten. Besonders spannend dabei war, zu sehen, was jeweils richtig gut läuft und was gerade die größten Herausforderungen darstellt. Wie schon am Vorabend wurde deutlich, dass auch die Größe der Vereine einen Einfluss darauf hat, wie solche Fragen beantwortet werden. Nach der Vereinsvorstellung widmeten wir uns dann bis zum Abendessen wieder den drei Themensträngen des Wochenendes: Dachverband, Jugend und Wen organisieren wir (nicht)?.

D a c h v e r b a n d

Im ersten Strang gab es die Gelegenheit, die Frage zu diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass wir uns - besonders in diesen Zeiten - unter einem gemeinsamen Dachverband organisieren. Was sind die Vorteile davon, was aber auch die Nachteile? An welcher Stelle und aus welchen Gründen gibt es Bedenken? Machen wir uns mit einer solchen Struktur sogar noch angreifbarer oder steht diese im Konflikt mit der Mitgliedschaft in anderen Verbänden? Nach einem Input aus Rostock wurden Visionen, Perspektiven und Positionen dazu ausgetauscht. Es hat sich gezeigt, dass die Gründung eines Dachverbandes wohl noch zu früh kommt. Umso schöner, dass die Vernetzung unter uns zu den Fragen dieses Stranges noch weiter ausgebaut wurde. So wollen wir auch zwischen den jährlichen Vernetzungstreffen zusammenkommen und so einen Raum des Austausches und der Beratung schaffen.

J u g e n d

Der Jugend-Strang wurde durch einen Vortrag über die Grundsätze der Pädagogik der sozialistischen Jugendarbeit der Falken eingeläutet. Die Vereine, die keineJugendabteilungen haben, dies aber forcieren, konnten hier wichtige Anknüpfungspunkte mitnehmen. Die Selbstorganisierung von Jugendlichen in den Vereinen kann es möglich machen, dass Jugendliche positive Gruppenerfahrungen machen, ohne dass Eltern, Lehrer*innen oder andere Autoritäten zu sehr die Richtung der Organisierung vorgeben. Jugendliche wissen selbst am besten, was sie wollen und was ihnen Spaß macht. Dass der Aufbau von Jugendabteilungen einige Herausforderungen mit sich bringen kann, liegt auf der Hand. Daher gab es einen anregenden Austausch zur Frage möglicher Kooperationspartner*innen – Schulen, soziale Träger, Kinder- und Jugendhilfe – für die Jugendarbeit in unseren Sportvereinen. Danke nochmal an den IFC Rostock für den Input und das Aufzeigen von Praxisbeispielen. Zum Abschluss dieses Stranges sammelten wir noch weitere Best-Practice-Beispiele aus den wenigen anwesenden Vereinen, die eigene Jugendabteilungen vorweisen können. Besonders deutlich wurde dabei, dass ein gut ausgearbeitetes pädagogisches Konzept die Grundlage für den Aufbau eigener Jugendarbeit im Verein sein muss.

O r g a n i s a t i o n s s t r u k t u r

Im dritten und letzten Strang wurden in vielerlei Hinsicht Inhalte aus unserer gemeinsamen Diskussion am Freitag aufgegriffen. Weitestgehend einig waren sich die Vereine darin, dass ihre Mitglieder in der Zusammensetzung nicht repräsentativ für die Gesellschaft sind. Sehr anschaulich war dies auch auf dem Vernetzungstreffen, an dem überwiegend weiße Männer teilnahmen. Viele Vereine haben darauf hingewiesen, dass ihr Anspruch, Menschen zu organisieren, die in ihrer Lebenswelt von vielfältigen Ausschlüssen betroffen sind, nicht der Realität entspricht. Im weiteren Verlauf des Austausches konzentrierten wir uns auf zwei Ebenen: Wie erreichen wir Leute, die wir (bisher) nicht erreichen? Und: Wie schaffen wir es, dass unsere Mitglieder sich aktiver in der Vereinsarbeit einbringen? Diskutiert wurden unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten und der Stellenwert eigener Vereinsheime, die Erfahrungen mit Aufnahmestopps und unsere eigene Organisationsstruktur. Besonderes Interesse haben dabei z.B. die Einführung einer Talente-Karte oder einer Rätestruktur auf Vereinsebene hervorgerufen. Schließlich beschäftigten wir uns auch noch mit der Frage, ob und inwiefern wir uns als Arbeiter*innensportvereine begreifen. Gerade im Vergleich mit anderen, etablierten Sportvereinen konnten viele zumindest einen Bezug zur Arbeitersportbewegung erkennen: Der solidarische Umgang miteinander zeigt sich in unseren Vereinen auch durch eine Kultur des Helfens. Insgesamt zeigte sich, dass die verschiedenen Vereine je nach Größe und Wachstumstempo, finanzieller Lage und Organisationsstruktur die Fragen dieses Stranges auch unterschiedlich beantworten. Vielleicht schafft die titelgebende Frage Wen organisieren wir (nicht)? bereits Ausschlüsse. Vielleicht hätte sie so lauten müssen: Wer wollen wir sein? Festzuhalten bleibt, dass wir als solidarische Vereine selbst mehr lernen müssen, Widersprüche auszuhalten – besonders in Zeiten sich zuspitzender gesellschaftlicher Verhältnisse.

S t a m m t i s c h

Mittlerweile rauchten uns allen etwas die Köpfe – ohne das stärkende Mittagessen zwischendrin wären viele Diskussionen sicherlich schon vorher pausiert worden. So waren wir alle froh, dass nachdem wir aus unseren Diskussionsräumen zurückkamen – diese befanden sich wenige Gehminuten voneinander entfernt – schon die nächste liebevoll gekochte Mahlzeit auf uns wartete. Durch das Abendessen gestärkt ging der Tag in den Abend über – weil der Samstag auf den 11. des Monats fiel, hieß das: Stammtisch des Roten Stern Köln. Gemeinsam mit weiteren Kölner Mitgliedern, die sich den Stammtisch nicht entgehen lassen wollten, wurde sich bis in die Nacht weiter ausgetauscht, getrunken und gespielt, gelacht und Halay getanzt.

A b s c h l u s s

Am Sonntagmorgen kamen wir wieder zum Frühstück zusammen, um gemeinsam in den dritten und letzten Tag des Vernetzungstreffens zu starten. Gut gesättigt wurden in großer Runde dann noch die Ergebnisse aus den verschiedenen Wettbewerben des Wochenendes, an denen unsere Vereine teilnehmen, verkündet. Um das Wochenende abzurunden, stellten wir uns gegenseitig vor, was wir am Vortag in den verschiedenen Strängen diskutiert und erlebt haben. Bevor alle Angereisten sich wieder auf den Weg in ihre Städte machten, galt es noch den Blick nach vorne zu richten. Zum einen sammelten wir, was an dem Wochenende gut lief und wo Wünsche gegebenenfalls nicht erfüllt wurden. Zum anderen ging es auch um die Fragen, wie es mit unserer Vernetzung weitergeht, was daraus auch nach Außen getragen werden soll und vor allem: Wo findet das nächste Vernetzungstreffen statt. Voller Freude können wir verkünden, dass wir im nächsten Jahr an der Ostsee zusammenkommen werden, um beim IFC in Rostock weiter zu diskutieren, gemeinsam Sport zu machen und somit unsere Vernetzung weiter auszubauen!

Das diesjährige Vernetzungstreffen wurde von vielen als sehr bereichernd, wichtig und gut organisiert bewertet. Danke an alle, die dabei waren! Ein besonderer Dank gilt außerdem den unzähligen Mitgliedern aus Köln, die beim Auf- und Abbau geholfen haben, die Schlafplätze für Anreisende zur Verfügung gestellt haben, die Schichten übernommen haben und vor allem dafür gesorgt haben, dass es herausragend gutes Essen gab. Ohne Euch alle wäre dieses Vernetzungstreffen so nicht möglich gewesen.

Z i t a t e

Abschließen möchten wir den Bericht mit Zitaten der Delegationen unterschiedlicher Vereine:

„Wir waren positiv von der Intensität des Austauschs untereinander überrascht. Es hat sich gezeigt, wie wichtig die Vernetzung ist. Wir haben von anderen gelernt und andere von unseren Erfahrungen. Dieser Austausch hilft, eigene Ressourcen zu schonen, hilft Fehler zu vermeiden und Zeit zu verschwenden. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden…"Delegation Roter Stern Leipzig `99 e. V.

„Das Wochenende hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Kraft in gemeinsamer Organisierung steckt. Wir fahren mit neuen Ideen, motivierenden Gesprächen und einer spürbaren Verbundenheit zwischen den Vereinen zurück nach Rostock – und freuen uns schon jetzt darauf, im nächsten Jahr selbst zum Vernetzungstreffen nach Rostock einzuladen.“Delegation IFC Rostock e.V.

„Danke für den starken Aufschlag und das schöne Vernetzungstreffen. Es motiviert so viele stabile Genossinnen um sich zu wissen.✊❤🖤⚽🏓🥊 Machtet jut und*

bis bald!“Delegation Roter Stern Berlin 2012 e.V.

„Der KSV Roter Traktor bedankt sich beim Roten Stern Köln für die tolle Organisation und großartige Gastfreundschaft beim Netzwerktreffen linker Sportvereine! Für uns war es extrem spannend und bereichernd, sich mit anderen Clubs über Vereinsstrukturen, den jeweiligen Vorstellungen eines solidarisch-sportlichen Miteinanders und verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen auszutauschen. Wir sehen das Treffen als Auftakt für weitere Vernetzung, enge Zusammenarbeit und überregionale Organisierung linkspolitischer Sportvereine. Forza Rotsport!“Delegation KSV Roter Traktor e.V.

„Wir freuen uns sehr über das gelungene Netzwerktreffen in Köln. Der offene und solidarische Austausch zwischen linken und progressiven Initiativen hat uns erneut gezeigt, wie wichtig gemeinsame Vernetzung und gegenseitige Unterstützung sind. Es macht Mut zu sehen, wie viele Menschen sich mit Herzblut dafür einsetzen, Orte zu schaffen, an denen Vielfalt, Respekt und Solidarität gelebt werden. Unsere Arbeit ist extrem wertvoll, kreativ und macht Angebote, die herkömmliche Sportvereine oft nicht bieten können. Uns darin gegenseitig zu unterstützen, ist ein gutes Ziel für die Zukunft!"Delegation Roter Stern Kickers 05 e.V.